Fotoshooting: Nacktheit trifft auf Surrealismus.

Freunde, ich sag’s euch! Fotografieren ist einfach toll. Oftmals habe ich nur wenig Zeit, meinem Hobby zu frönen, aber irgendwann kommt der Moment, an dem man sich sagt: „Egal wie; die Zeit nehm ich mir!“ Es war schon länger her, dass ich einen Workshop besucht habe, umso ausgehungerter war ich. So kam es auch, dass ich mich nach längerer Pause endlich wieder fotografisch austoben wollte, mit dem Unterschied, dass es dieses Mal fernab jeglicher Mainstream-Bilder bewegen sollte. Täglich schau ich mir hunderte Bilder an. Auf Facebook, Google+, 500px, Instagram und zahlreichen weiteren Kanälen. Die Welt steckt voll mit Bildern und einhergehenden Emotionen. Die meisten betrachteten Bilder schaffen es aber nicht länger, als eine Sekunde meine Aufmerksamkeit zu halten und ich dachte mir, owe! Wenn mir das so geht, dann geht es sicherlich vielen anderen Menschen dort draussen ebenfalls so! Die nächsten Bilder mussten also etwas „besonderes“ werden. Wie definiere ich das? Nun, mit „besonders“ erhebe ich eigentlich nur den Anspruch, dass das Foto den Blick des Betrachter länger als eine Sekunde in seinen Bann ziehen soll. Zwei, oder gar drei Sekunden ist schon ein Erfolg.

Dieses Mal ging es auf einen Workshop von Stefan Gesell in den Süden Münchens. Das Thema lautete „Surreal Nude“ mit drei angekündigten Models – das klingt spannend! Surrealismus, also die traumhafte und unwirkliche Darstellung von Menschen gespickt mit nackten Tatsachen, ist ohnehin eine explosive Mischung, von der ich mir sehr viel versprach. Da es sich aber um einen Tagesworkshop handelte, musste der Part digitaler Nachbearbeitung in Photoshop auf zu Hause verlegt werden. Kein Problem, schließlich bin ich ja zum fotografieren gekommen. Für 10:00 war der Startschuss angesetzt, aber wir fingen mit einem herzhaften Frühstück und Kaffee an, denn wie ihr wisst: Ohne Mampf – keinen Kampf. In der Gruppe waren wir dann 8 Teilnehmer, eine überschaubare Menge an Fotografen. Mit meiner NIKON D5100 kam ich mir fast schon ein wenig klein vor, wenn man sich die Vollformatkameras anderer Fotografen ansah und deren Objektive, die eher an eine Bazooka denken ließen, als an eine Festbrennweite. Während unseres warm up wurden die Models geschminkt und es ging direkt los. Tatjana positionierte sich als Dortmund-Fan am Set und machte in ihren Posen stets eine gute Figur, auch wenn sie bei dieser Aufnahme am Liveset eher so aussieht, als würde sie auf den Bus warten ;-)

Making Of Surreal Nude

Marylin Manson’s ‚Fight Song‘ machte den Auftakt und füllte das Studio mit energiegeladenem Tatendrang. Just mein erstes Foto an diesem Tag schaffte es direkt in meine Best-Of-Auswahl. Da ich im RAW-Format die Aufnahmen erstellt habe, blieb somit auch genügend Spielraum um am Weißabgleich, der Blende oder den Tiefen und Lichtern im Nachgang nocheinmal herumzuspielen. Mir gefällt Tatjanas Pose, in der sie ihre Brust nach vorne drückt und im gleichen Atemzug die Arme nach hinten streckt. Fotografiert wurde die Aufnahme mit Blende f/7.1 | 1/125s | 45mm | ISO 200. Ich habe es liebevoll die „Schwarze Raserei“ getauft. Anschließend wurde in PS nur noch ein wenig „Grungestyle“ drüber gelegt und alles gefinished. Die Unterbelichtung und der düstere Look ist exakt die Message, die auch durch das Bild transportiert werden soll. Unter allen 350 geschossenen Fotos, ist keines zu finden, das korrekt belichtet ist – aber das soll es auch nicht! Gerade dort liegt der entscheidende Unterschied! Hier mal ein Vorher-Nachher-Vergleich von Tatjana:

Making of Schwarze Raserei Fotoshooting

Ein weiteres Bild könnt ihr hier sehen. Das Model Rassamee mit ihrem zierlichen Körper wird der Anmutung des Bildes „Winter comes“ absolut gerecht. Und falls ihr euch fragt, wo es derart lange Röcke/Kleider gibt, das sind handelsübliche Fallschirme die um die Hüfte geschnürt werden und mit einer Klammer fixiert sind. Aufnahmedaten: f/7.1 | 1/125s | 28mm | ISO 200.

Making of Winter comes Fotoshooting

Mehr Bilder findet ihr auch in meiner Galerie unter ‚Fotografie‘. Schaut vorbei und wenn ihr Anregungen habt, dann schreibt mir. Ich freu mich auf eure Meinung. Abschließend kann ich sagen, dass der Workshop der absolute Kracher war. Ich konnte wieder einmal jede Menge Input und tolle Bilder nach Hause mitnehmen, die fernab der ‚Massenware‘ sind. Und es ist wie überall im Leben: Der Input bestimmt den Output, also sorgen wir uns darum, dass wir mit frischen, kecken und absurden Input versorgen, damit der Output umso grandioser und polarisierender ausfällt.

Abschließende Worte: Ein gelungenes Bild aus dieser Stilrichtung wird dann erreicht, wenn die Anmutung und Eigenschaft so überspitzt verstärkt wird, wie sie ohnehin schon in der unbearbeiteten Aufnahme zur Vorschein tritt. Macht das Model einen Katzenbuckel… Ja, dann verstärke ich den Buckel eben in’s extreme. Regeln dürfen und sollen gebrochen werden. Blicke über den Tellerrand und ingoriere einfach mal Gestaltungsregeln wie den goldenen Schnitt oder astreine und ästhetische Körperproportionen. Vergiss auch das Ziel, ein korrekt belichtetes Foto zu erstellen, sondern spiele mit Schatten und Tiefen. Exakt hier liegt der Reiz und die Fantasie des Betrachteres wird angeregt – länger als eine Sekunde.

Stefan Riedl

Stefan Riedl Grafik-Designer aus Augsburg

Designliebhaber

Stefan Riedl