Collagenbau in Photoshop: Erschaffung eines neuen Ganzen

Ich liebe Geburtstage, ihr auch? Einmal im Jahr bietet sich Anlass, zuversichtlich vorauszublicken, manchmal auch enttäuscht zurückzusehen, sich fragwürdig über seine alternden Köprer zu wundern, zukünftige Vorhaben mit einem klaren Jein zu bekräftigen, zu merken, dass vier Stück Sahnetorte nicht mehr runtergehen wie Öl und mal wieder vollkommen ungeniert die Sau rauszulassen.

Gerade der 30er ist ja eine Hausnummer, an der eine entscheidende Zeitenwende eingeläutet wird. So auch bei meinem guten und geschätzten Freund Thomas und hier beginnt meine Story, die in einem abstrusen finalen Paukenschlag gipfeln sollte… Nun, insbesonders Männer haben oftmals Schwierigkeit ihren Artgenossen das passende Geschenk für diesen Meilenstein zu überreichen. Musicalkarten? Zu versnobbt! Kochtopf für Induktionsherdplatten? Zu vernünfig! Paintballpistole im Desert-Eagle-Style? Cool! Aber sehr teuer! 24 glückliche Momente, verpackt in einen ansehnlichen Kasten Bier? Prinzipiell gut, aber ziemlich einfallslos und obendrein ein schlechter Einfluss! Oder eine Geburtstagscollage, mit der das Rad der Zeit einmal zurückgedreht und dadurch ein subtiler und bebilderter Querschnitt durch 30 Jahre Abenteuer aufgezeigt wird.

Wiki und Pedia verrät: Bei einer Collage wird aus herkömmlichen einfachen Elementen etwas vollkommen Neues geschaffen. Früher noch, indem man die Elemente einzeln auf eine Unterlage aufgeklebt hat (daher die Bezeichnung aus dem französischen coller = „kleben“), heute im EDV-Zeitalter ein Kinderspiel und ohne Klebstoff und verklebten Zeigefingern zu bewältigen.

Birthday Collage Design

Ein einfacher Posterdruck wäre mir prinzipiell zu ’normal‘. An dieser Stelle muss ich mir eingestehen, dass ich mit Normalität nur schwer leben und schon gar nicht gut umgehen kann… Eine gute Freundin hielt mir in diesem Punkt der Selbsterkenntnis einst den Spiegel vor, thx @ PP.

Aber back to topic: Glücklicherweise hat sich in den letzten Jahren sehr viel am Markt großer Druckereien und deren Produktportfolio getan, so dass ich (auf Empfehlung meines Chefs Matthias hin) mit einer ForexplatteCodename: Fineart, 5mm, schwarz, matt liebäugelte. Und egal, was weitläufige Meinungen zu berichten wissen; in diesem Fall ist Größe tatsächlich entscheidend! Ich selektierte die Angebote unterschiedlicher Druckanbieter nach einem passenden Format und entschied mich für PosterXXL. Druck auf 90×60 cm. Runde 100,- €.

In Photoshop erstellte ich eine Arbeitsdatei mit 300dpi und den entsprechenden Maßen. Anschließend versuchte ich mir vorzustellen, wie eine Collage modern, ansprechend, frisch und halbwegs zeiteffizient aufgesetzt werden konnte. Anstelle einer wirren Asymmetrie und willkürlicher Bildfolgen entschied ich mich für eine einfache, saubere, flache und aufgräumte Darstellung im Kachelformat. Der Vorteil, man muß sich nicht um fließende Übergänge zwischen den Bildern kümmern, sondern hat klare Begrenzungen. In Photoshop CS6 fehlt das onboard-feature zur Erstellung eines automatischen Grids (Raster), weswegen ich mir mit dem praktischen Photoshop-Plugin GuideGuide zu helfen wusste. Ich teilte das Dokument in 14 x 8 kleine Rasterfelder auf, woraus sich 112 einzelne Fenster ergaben. Jedes davon 1.033×866 Pixel groß. Genügend Platz um viele peinliche Bilder zu platzieren ;-)

Was nun passierte war ganz einfach: Bilder einsetzen, mit Flaticons die wichtigsten Stationen seines Lebens hervorheben und zwei großflächige Eyecatcher für Glückwünsche übrig lassen. Die Bilder rasterte ich direkt nach dem positionieren, da Smart-Objekte sehr speicher- und ressourcenhungrig sind. Allein jetzt hatte die Photoshop-Datei bereits 436 Megabyte und ich merkte, wie mein System ohnehin schon bei der Dateigröße langsam in die Knie ging. Nach einigen Stunden saß ich vor einem gewaltig kunterbunten Pixelhaufen, der summa summarum – trotz symmetrischer Rasterlinien – alles andere als schön anzusehen war. Viel zu unruhig, zu quirlig, zu aufwühlend, zu… hässlich. Ich sage euch: Schlimmer als unter dem Sofa der Hempels! Die unterschiedlichen Farbtöne wühlten ständig mein Auge auf und sorgten durch und durch für eine unruhige Stimmung. Eine radikale aber zielführende Lösung: Monochrom! Ich reduzierte also alles auf Schwarz/Weiß, woraufhin sich der Pixelhaufen sofort entspannte, ja fast handzahm wurde, während ich ihm mit ein paar Kontrastanpassungen durchs Fell bürstete.

Der Clou am Gesamtwerk ist natürlich die aufreizende Schmuckfarbe in einem sonnigen Hellgelb (Farbwerte: C=11, M=0, Y=89, K=0), die sich immer und überall wieder findet. Nur Schwarz/Weiß wäre dann doch etwas zu trostlos und der Blickfang würde deutlich abnehmen. Ich entschied mich schlußendlich dazu, einen Border mit 150 px Breite um die Collage herum zu erstellen und ihm die Bedeutung der Spielfeldbegrenzung zuzuschreiben. Aber eine Sache fehlte noch, nur was? Ich grübelte… Na klar! Die Collage war einfach zu glatt. Aalglatt um ehrlich zu sein und das ist nicht gerade das Markenzeichen unserer Truppe. Mit dem Pinselwerkzeug malte ich auf einer neuen Ebene im Grunge-Style (=dreckig) wilde Farbspritzer und -kleckse auf. Reduzierte nochmals die Deckkraft. Perfekt! Die finale Größe der jpeg-file umfasste über 40 Megabyte. In Kombination mit der Forexplatte, die äußerst robust aber ebenso federleicht ist, hatte ich große Erwartungen und gab das ganze schnellstmöglich in den Druck, denn die Zeit drängte!

Birthday Collage Design

Oben könnt ihr noch einmal einen Blick auf die Eigenheit einer Forexplatte werfen. Die 5 mm dicke Platte macht einen soliden Eindruck und mit dem passenden Hängesystem lässt sich das Druckerzeugnis ganz elegant an die Wand hängen, mit einem Abstand von etwa 10mm zwischen Wand und Platte. Dadurch wird ein ästhethischer Galerieeffekt erzielt, da die Bilder die eigenwillige Anmutung haben, als würden sie ’schweben‘. Ich gebe also die Empfehlung von meinem Chef auch gerne an euch weiter. Sieht super aus!

Birthday Collage Design

Zwei Tage vor dem Fest am Samstag hatte ich noch immer keine Versandbestätigung erhalten. Panisch rief ich bei der Hotline an und ein höchstamüsantes Spiel begann. Ich bekundete der jungen Dame meine Sorge und bat dringlichst um Lösung. Sie versuchte mich mit eigenwilligem Dialekt und der Menge Einfühlungsvermögen, die nur einem Mammut aus der Steinzeit innewohnen kann, zu beruhigen. Freunde, was soll ich sagen? Es wollte ihr einfach nicht glücken. Ich bat also um Rückruf und erhielt 20 Minuten später eine liebevolle E-Mail mit Standardphrasen. Ehrlich gesagt ärgert mich soetwas ungemein, denn hier wurde entgegengesetzt meinem Wunsch nach einem Rückruf, die erste Schublade geöffnet und einfach Lösunsvorschlag A (= Beschwichtigung) gewählt. Offensichtlich hatten die Servicemitarbeiter keine Lust, mit aufgebrachten Kunden zu telefonieren und stopfen lieber automtisch generierte E-Mails in die Postfächer frustrierter Käufer. Besagte E-mail hatte es aber in sich und höchst amüsant fand ich die zuvorkommende Einleitung, die ich euch nicht vorenthalten möchte:

Ihre Anfrage gilt als gelöst. Um sie erneut zu öffnen, antworten Sie auf diese E-Mail.

posterxxl-frust-email

Mir hing die Kinnlade bis zu den Kniescheiben runter. Ja, Herrgott! Wenn offensichtlich alles getan wird, um die Bestellung schnellstmöglich zu versenden, wieso erhalte ich dann so eine ernüchternde E-Mail? Und wie ihr euch denken könnt, war meine Anfrage alles andere als gelöst! Wie kommen die darauf, dass das Problem gelöst sei, wenn ich meine Ware zum Stichtag nicht erhalte, obwohl ich pünktlich bestellt hatte? Mir blieb also nur übrig, dem guten Herrn, der sich mir als Mister M. Customer Care Specialist (Haben die keine Nachnamen?) vorstellte, zu antworten. Mit den Worten „Sehr geehrter Herr Customer Care Specialist“ begann ich mich über seine E-Mail frei von jeglicher Hoffnung, aber dafür mit vielen gutgemeinten Phrasen zu monieren und im gleichen Atemzug zu insistieren. Ich erhielt keine Antwort. 4 Stunden später griff ich erneut zum Hörer und schilderte mit Nachdruck seinem Kollegen (Mister S.) die ganze Story und siehe da: Ein Tag später erhielt ich mein Paket! Pünktlich für den Geburtstag am Wochenende! Die Collage kam gut an und zog neugierige Blicke auf sich.

Der Schenkelklopfer sollte aber am Montag darauf folgen, denn das Highlight war dann diese E-Mail:

posterxxl-frust-email

Die versprochene Antwort in Kürze blieb selbstredend aus. Offensichtlich ist der einen Hand nicht immer ganz klar, was die andere gerade treibt… quite funny! Immerhin überzeugte schlussendlich die Druckqualität, denn die war top! Ob ich nochmal dort bestellen würde? Fragwürdig. Tom, dieser Blogbeitrag ist für dich. Nochmal alles Gute und möge das kommende Jahr zu einem deiner besten 80 Lebensjahre werden.

Stefan Riedl

Stefan Riedl Grafik-Designer aus Augsburg

Designliebhaber

Stefan Riedl