Blick unters Röckchen: Frostiges Atomic Blonde-Composing in Photoshop

Kürzlich habe ich mir den Retro-Blockbuster Atomic Blonde mit Charlize Theron reingezogen. Im Wesentlichen geht es um eine britische Doppelagentin, die 1989 während des Mauerfalls nach Berlin geschickt wird und dort für ordentlich Furore sorgt – das mal als Einleitung und zur kürzesten Kurzfassung, die ich jemals verfasst habe.

Der Name kam zum Schluß

Inspiriert von der genialen Bildsprache, wie auch dem eigenwilligen Filmlook und der absolut prägnanten Kameraführung, legte ich den thematischen Input gedanklich in mein Mind-Setting ab. Dort schlummerte das Thema dann einige Wochen, bis ich mich entschloss, das nächste Photoshop-Composing im Frost-Look mit einer ungewöhnlichen Perspektive von ganz weit unten umzusetzen. Ich nenne es zwar nicht Atomic Blonde, da es stilistisch betrachtet doch eine vollkommen andere Richtung einschlägt, aber Atomic Blue gefiel mir dann später ziemlich gut ;-)

atomic-blue-graphicspot

Entwicklung über Camera RAW

Unfassbar, wenn man den Vorher-Nachher-Vergleich einmal betrachtet. Vom ursprünglichen Foto, ist kaum etwas übrig geblieben. Lediglich natürlich unser Model in breitbeiniger Pose, bekleidet mit einem kurzen Latex-Mini, dazu die gepunkteten Highheels – einfach großartiges Ausgangsmaterial für allerhand Spielereien in Photoshop. Das Foto habe ich übrigens auf dem Boden liegend, mit Blende f10, 1/125 s Verschlusszeit und 26 mm Brennweite aufgenommen. Lichtsetup waren zwei Striplights, die als Zangenlicht fungierten und ein Beauty-Dish von oben. Im RAW-Converter von Photoshop habe ich die NEF-Datei (ja, ich bin ein Nikon-Fan) entwickelt, anschließend exportiert und mit dem Schnellauswahlwerkzeug freigestellt.

Dann folgten zahlreiche Einstellungsebenen für den dunkelblauen und cyanhaltigen Farblook. Ein paar Eisschollen fand ich auf Unsplash, die Highlights wie Spiegelungen an den Highheels mussten natürlich manuell hervorgehoben werden – einfach die Passagen, die ins Auge springen sollen, kräftig aufhellen. Der Feinschliff wurde dann mit diversen Pinselspitzen erzielt, indem ich mit dem Pinselwerkzeug einzelne Bursts, Snowflakes und Lens-Flares ins Photoshop-Composing malte. Zum Schluß setzte ich noch ATOMIC im Grunge-Font Capture it ein … and that’s it!

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Tipp: Wohin das Auge wandert

Kleiner Tipp bei der Ausgestaltung eurer Composings: Das Auge des Betrachters folgt einem einfachen Prinzip und wenn ihr dieser Regel folgt, wirken eure Arbeiten sehr viel spannender. Das Prinzip baut auf die Blickführung unserer Augen auf, was bedeutet, dass der Blick stets von ungesättigten Bereichen in gesättigte wandert – sprich, was farbenprächtig erscheint, lockt mehr den Fokus auf sich, als farbarme Bereiche.

Neben der Farbe, gilt das identische Gestaltungsprinzip auch für Hell- und Dunkel-Bereiche. Helle Bildteile sorgen für mehr Aufmerksamkeit als dunkle. Gerade, wenn natürlich das Composing mehrheitlich Dunkel aufgebaut ist, reicht schon eine minimale Aufhellung, um den Blickwinkel des Betrachters dort hinzusteuern. Eine beliebte Methode ist auch das Setzen von Vignetten, wodurch die Bildränder abgedunkelt werden.

Der Fokus kann noch mit einer dritten Methode gut gelenkt werden: nämlich der Weichzeichnung. Augen wandern vom unscharfen in den scharfen Bereich. Was ’scharf‘ dargestellt wird, bewertet unser Hirn mehrheitlich als Wichtig, als unscharfe Dinge. Nutzt ihr also neben den ersten beiden Methoden auch noch die Weichzeichnung (zum Beispiel den Gaußschen Weichzeichner in Photoshop), könnt ihr euch sicher sein, dass zum Schluß das gesehen wird, was auch gesehen werden soll ;-)

Tutorials für Photoshop-Composing

Wer auf Photoshop-Composings abfährt und selbst schon welche erstellt hat weiß, dass dies nicht immer leicht ist. Falls also dein eigenes Composing nicht in sich stimmig wirkt, nach Mist aussieht und du verzweifelst, kann ich dir nur eines empfehlen – schau dir an, wie es die Profis machen. Hier ein klasse Tomb Raider-Tutorial, bei dem zahlreiche fremde Elemente harmonisch auf sich abgestimmt werden. Die gezeigten Profi-Tipps helfen enorm weiter, damit aus dem Pixel-Wirr-Warr später auch ein Schuh wird.

Weitere derartige Composings und Artworks findet ihr übrigens auch auf meinem Instagram-Account graphicspot.de – schaut vorbei.

Stefan Riedl

Stefan Riedl Grafik-Designer aus Augsburg

Designliebhaber

Stefan Riedl