Lost in McCafe, das Web sagt Adieu und die Deadline rückt näher!

No Web is a fail

Liebe Freunde, manchmal spielt das Leben verrückt. Eben war noch in alles in Ordnung und nur einen Wimpernschlag später bricht die Welt um einen herum zusammen. Kennt ihr solche Situationen? Ich bin mal ehrlich: Zuletzt habe ich das erlebt, als meine langjährige Partnerin und ich fortan getrennte Wege gingen. Aber am vergangenen Montag ging es keinesfalls um Frauen, sondern vielmehr um etwas, was man sich in globalisierten und technisch ausgefuchsten Zeiten wie heute kaum mehr wegdenken kann: Das Internet.

Home-Office – gut oder schlecht, Fluch oder Segen, die Crème de la Crème, oder doch nur so unangenehm wie ein stinkender Hering auf dem Teller. Hier scheiden sich die Geister, aber Fakt ist: Ich arbeite in einem solchen Home-Office und es gibt nur drei Dinge, die wirklich von essenzieller Bedeutung für mich sind: Strom, Kaffee und das Netz. Während die ersten beiden vergangenen Montag friedfertig ihren Dienst verrichteten, verschwand Letzteres ohne Ankündigung und mit der böswilligen Absicht, mich ordentlich auflaufen zu lassen. Aber Moment, ich übertreibe nicht! Ich hatte durchaus Anlass zur Bersorgnis, der Grund für meine Panik lag schlicht und ergreifend daran, dass ich als Chefredakteur einen Tag später die 111. Ausgabe unseres Commag – einem beliebten und populären Online-Magazin für Bildbearbeitung, Fotografie und Webdesign – veröffentlichen sollte. Und zwar am Dienstag, also keine 24 Stunden später.

Fatal war ebenso, dass für ein derartiges Projekt gut und gerne mehrere hundert Megabyte den Besitzer wechseln. Die Daten (ca. 20 einzelnde INDD-Files) die ich für die Vollendung des Magazins hätte abgreifen müssen, lagen schweigend auf unserem Server und ich jaulend auf dem Trockenen. Der finale Check stand mir erst noch bevor, mein Schreibtisch war voller Post-it-Notes (ja ich bin in diesem Fall oldshool) bzgl. diverser Anpassungen und in Summe galt es, 93 einzelne Seiten dazu zu bringen, stramm und adrett auszusehen wie Zinnsoldaten. Mein Werkzeug für diesen Zweck: Die professionelle Desktop-Publishing-Software Adobe InDesign.

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Der Ausfall hielt an und mehrere Anrufe bei der Störungshotline vermittelten mir per automatischer Bandansage (hier hat sich übrigens in den letzten Jahren wirklich einiges getan! Ich war erstaunt und amused darüber, welcher Elan dort mitschwang. Roboter oder Mensch? In dreißig Jahren ist es eh das selbe…), dass die Störung bekannt sei und man mit ‚Hochdruck‘ daran arbeite. Wartezeit bis Montag 18:00 Uhr. Gut, bis zum offiziellen Feierabend halte ich durch. Doch Murphys Gesetz schlug unerbittlich zu und die Uhr wanderte ungehemmt weiter, während sich am Netz… nichts tat. Ergo: Man geht gedanklich alle Alternativen durch. Die erste Selektion traf auf das Smartphone, doch ein Blick auf das Display verriert mir, wie schlecht meine Karten tatsächlich standen: Kein Ass, kein König, nur stolzes Edge-Netz mit zwei halbstrammen Empfangsbalken, die nicht aussahen, als wären sie auf einer Militärparade. Die zweite Selektionswelle befasste sich mit all jenen Personen, die gegenwärtig zu Hause sein könnten, eine halbwegs vernünftige Leitung haben und gewillt sind, mir ihren Anschluss für einen überschaubaren Zeitraum (mit einhergehender Bewirtung) zu überlassen. BINGO! Mir wurde in der Tat geholfen – eine Person war so gnädig, sich auf diesen Unfug einzulassen ;-) Ich fuhr hin und zog mir meine Daten. Thx @ KK.

Dienstag morgen: Die erste Handlung, noch ehe ich mir die Zähne putzen konnte, war der Blick auf den Router. Blinkt da was? Leuchten die LEDs? Standen die Schaltkreise endlich wieder unter Spannung? Nein, der Router blickte trostlos drein und wenn ich mich nicht täusche, glaube ich bis heute in seinem Ausdruck ein wenig Hohn und Spott erkannt zu haben. Aber Hey! Wie habe ich als Kind gelernt? Die Hoffnung stirbt zuletzt. Super! Hoffnung ist großartig! Hoffnung ist fantastisch! Aber Hoffnung veröffentlicht für mich kein Magazin und ‚Hoffnung‘ ist nur ein Wort – meine Leser erwarten rund neunzig Seiten voller Wörter! Meine Intuition verriet mir, dass sich die Situation ganz bestimmt nicht binnen der nächsten 120 Minuten zum Besseren wenden wird, obendrein konnten wir uns weitere Verzögerungen nicht leisten und das ist längst nicht alles: Denn so ein Magazin wird nicht in einer Nacht- und Nebelaktion gelaunched, sondern vielmehr mit einem imposanten Paukenschlag. Der Rattenschwanz, der daran hängt ist ziemlich lang: Landingpage, Blogartikel, Newsletter, Newsartikel im Portal, Einträge auf Facebook und Google+, Banner und Vorschaubilder müssen erstellt werden, und vieles mehr. Ich konnte nur offline die Daten für das Magazin aufbereiten und es formvollent in eine Buchdatei exportieren. Der nächste Schritt wäre also der Upload in unser Portal, um es für alle User zugänglich zu machen.

Aber noch hatte ich einige Pläne in petto und Plan B sah in dieser miserablen Situation vor, dass meine nächste Haltestelle eine McDonalds-Filiale ist. (Plan C und D wollt ihr nicht wissen…) Eine Burgerbude, deren Anteile sogar an den internationalen Börsen gehandelt werden, hat doch sicher W-Lan! Mit dem Laptop unterm Arm lief ich an die Theke und bestellte mir zum ersten Mal in meinem Leben etwas bei McCafé: einen Cappuccino und einen Schokomuffin. Während der Schokomuffin sich alle Mühe gab, meine Laune wieder auf Touren zu bringen, gelang es auch mir, das Magazin – trotz einschläfernder Uploadgeschwindigkeit – endlich abzuliefern.

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Netzausfall. Unter solchen Umständen bekommt man ungeschönt vor Augen geführt, wie sehr man doch von der Gnädigkeit unserer (anfälligen) Technik abhängig geworden ist. 1 1/2 Tage ohne Internet waren für mich – beruflich betrachtet und überspitzt ausgedrückt – der kleine Bruder von Fat Man (und kommt mir jetzt bitte nicht mit Weisheiten, der würde Little Boy heißen!) Nein, für mich trat in diesem Fall wirklich ein GAU ein. Ich liebe meine Arbeit und ebenso das Commag und ich habe es, seit meiner Übernahme vor knapp zwei Jahren, immer pflichtbewusst und termintreu abgeliefert – ohne Ausnahme. Dennoch ist eine derartige ‚höhere Gewalt‘ auch nicht zu beeinflussen. Mein geschätzter Arbeitskollege Dennis lebt in NRW und auch ihn ereilte vor 3 Wochen ein ähnliches Schicksal: 3 Tage Internetausfall. Was tun, wenn das weltweite Netz ausfällt? Wenn Telefone dank VoIP streiken, Online-Dienste nicht erreichbar sind oder schlimmer noch: Wenn sich der Strom für ein paar Stunden oder gar Tage in den Urlaub verabschiedet! Abhängigkeiten sind selten etwas Gutes, dennoch können wir uns dessen kaum erwehren, da sich die Welt wie wir sie kennen, nicht weiterdrehen würde. Und Stillstand ist im 21. Jahrhundert in der Tat ein Synonym für eine weltweite Krise. Diese Abhängigkeit ist jedenfalls ein Teufelskreis. Es geht nicht ohne, aber ist sie da, beherrscht sie uns.

Abschließend darf ich nun voller Freude verkünden: „Blätter, die die Welt bedeuten“ – das neue Commag ist bühnenreif! Die 111. Ausagbe ist kostenlos erhältlich und mit einem hübschen Cover, aus einem unserer laufenden Fotocontests, ausgestattet. In dieser Ausgabe stellen wir wieder lesenswerte Stücke aus dem grafisch-kreativen und weborientierten Zirkus vor. Wir lüften den Vorhang hinter faszinierenden Arbeiten aus der Filmbranche: Als Interviewpartner steht uns Paul Schlie bereit, dessen digitale Arbeiten von den großen Blockbustern wie etwa Cloud Atlas oder Battleship bereits bekannt sind. Jetzt das Ticket lösen, hereinspaziert und Manege frei: Auf 93 Seiten Drama und Komödie erleben!

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Hier kannst du dir deine Ausgabe des Commag – dem kostenlosen Online-Magazin für Bildbearbeitung & Webdesign kostenlos herunterladen.

Stefan Riedl

Stefan Riedl Grafik-Designer aus Augsburg

Designliebhaber

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