Schnell, einfach & sehenswert: Rasante Effekte mit Texturen und Überlagerungen

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Wann immer man in Photoshop Bilder verfremden oder in einem Stil optimieren möchte, der über die herkömmliche Fotoentwicklung hinausgeht, kommt unweigerlich der kritische Punkt, an dem man sich fragt: 1. Woher bekomme ich überhaupt geeignetes und auch hochaufgelöstes Material, um meinem kreativen Schaffensprozess einen Hauch von Würze zu geben? Und 2.: Darf ich dieses Material auch privat und bei Bedarf kommerziell nutzen?

In meinem heutigen Artikel möchte ich euch Einblicke in meine eigene Arbeit und in meinen Workflow geben, während ich erkläre, wie ich typischerweise die Pixel anpacke. Ganz im Speziellen widmen wir uns der Thematik von Fotoüberlagerungen durch Mischmodi, mit deren Hilfe man wahnsinnige Effekte erzielen kann. Hierfür findet ihr kreuz und quer über den gesamten Artikel Beispiele, anhand derer deutlich sichtbar wird, wie die Effekte zum Schluss wirken.

Die Seenymphe im Wasserkleid

Wie auf dem Aufmacherbild des Artikels mit der Seenymphe zu erkennen, wird unsere Badenixe von zahlreichen Wasser-Splashes umgarnt. Das zugrunde liegende Prinzip ist einfach, denn wenn wir uns das folgende Bild einmal genauer ansehen, dann erkennen wir, dass es sich lediglich um eine Aufnahme von fliegendem Wasser vor schwarzem Hintergrund handelt. Diese Aufnahmen könnte man selbst erstellen, indem man ein entsprechendes Set mit wasserfestem Untergrund (oder im Garten) aufbaut, die Kamera davor auf einem Stativ positioniert und noch einen netten Helfer engagiert, der die ganze Zeit Wasser aus einem Eimer quer durch den Aufnahmebereich der Kamera wirft.

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Unkomplizierter und mit deutlich weniger Gefahr, selbst klitschnass zu werden, geht es über den Erwerb entsprechender Texturen als Paket. Hier haben wir uns kürzlich mit Stefan Kohler von RAWexchange zusammengetan, mit dessen Hilfe zahlreiche neue Texturen entstanden sind. Bevor wir euch diese jedoch im Portal von PSD-Tutorials.de, in unserem Online-Shop und auf unserer Kreativ-Flatrate TutKit.com anbieten können, mussten wir das Material erst einmal selbst auf Herz und Nieren – oder besser gesagt: auf Tropfen und Fontänen prüfen und einsetzen. Eine wirklich tolle Aufgabe, liebe Freunde der Herzen, denn dabei kann man seiner Freigeistigkeit in vollem Umfang gerecht werden. Der Anspruch in unserer Design-Agentur ist es, euch wirklich brauchbares Material an die Hand zu geben, mit dem ihr viel Freude haben werdet und eifrig Photoshop-Artworks kreieren könnt. Die Wasser-Splashes können mittlerweile für wenig Geld heruntergeladen werden und auch das Geschwisterpärchen der hochaufgelösten Milch-Splashes erfreut sich absoluter Beliebtheit. Jetzt aber zur großen eigentlichen Frage: Wie wird’s gemacht?

Anwenden mit wenig Aufwand: Um nun unsere Seenymphe in einem Fontänenstrudel zu präsentieren, zieht man sich einfach derartige Texturen, die breitspurig im JPG-Format mit rund 6.000 px Seitenkante daherkommen, auf sein Artwork. Drag & Drop, ganz einfach. Dadurch, dass sie so hochaufgelöst sind, lassen sie sich jetzt ohne Probleme erst mal positionieren, skalieren und anschließend transformieren. Sollte also der Verlauf und die Form der Splashes nicht ganz euren Vorstellungen entsprechen, wählt mit Strg + T bzw. Cmd + T das Transformieren-Werkzeug und verformt das Gebilde so, bis es euch gefällt und bis es sich elegant an die Körpergliedmaßen anschmiegt.

Jetzt kommt der große Zaubertrick, der raffiniert und einfach zugleich ist!

Wählt im Ebenen-Bedienfeld die Ebene eurer Splashes aus und wechselt den Mischmodus von Normal auf Negativ multiplizieren. Dieser Modus sorgt dafür, dass Photoshop alle Schwarzwerte aus der Ebene herausrechnet und ausblendet. Das Ergebnis ist einfach der absolute Knaller! Hin und wieder kommt es jedoch vor, dass noch ein grauer Schleier erkennbar ist, der die harten Kanten des JPGs sichtbar macht. Das ist natürlich eine äußerst unschöne Sache, doch mit wenig Aufwand auch in den Griff zu bekommen. Ich persönlich wähle hierfür meistens eine Tonwertkorrektur, die ich als Schnittmaske auf den eben eingefügten Splash wirken lasse. Schnittmasken erzeugt ihr, indem ihr mit gedrückter Alt-Taste in den Zwischenraum der beiden Ebenen (Splash-JPG und Tonwertkorrektur darüber) klickt. Nun wirken sich die Einstellungen der Tonwertkorrektur nur auf die Ebene darunter aus. Erkennen könnt ihr das an den Pfeilen, die nach unten zeigen (siehe Bild, Ebenen-Palette).

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Nun spielt ihr mit den Tonwerten ein wenig herum, um den grauen Schleier auf ein Minimum zu reduzieren. Dies funktioniert, indem ihr den mittleren Pfeil einfach ein wenig nach rechts schiebt. In meinem Beispiel auf 0,46. Achtet dabei aber darauf, dass die Bildinformationen nicht vollkommen absaufen. Um die Intensität und Strahlkraft der Wasser-Splashes wieder zurückzugewinnen, kann man die Lichter (Pfeil ganz rechts) ein wenig nach links schieben, hier im Beispiel auf 208. Schon erstrahlen sie wieder in hellem Weiß.

Maskieren und Anpassen: Generell empfiehlt es sich zusätzlich, bei derartigen Elementen auch mit Ebenenmasken zu arbeiten. Diese helfen dabei, Bereiche, die man nicht in seinem Compositing haben möchte, einfach mit schwarzer Farbe wieder herauszupinseln. Bei unserer Seenymphe kommen so viele unterschiedliche Ebenen mit Wasser-Splashes zusammen, dass die Effekte sich häufig auch überlagern und sich dabei gegenseitig in der Wirkung aufheben. Umgeht dieses Problem, indem ihr die Bereiche auf der Ebenenmaske wieder entfernt. Ebenso ist es absolut sinnvoll, auch die Kanten des JPGs in der Ebenenmaske mit einem weichen Pinsel abzumildern oder noch besser vollkommen verschwinden zu lassen. Denn nichts ist frustrierender, als wenn man später nach Fertigstellung und Begutachtung erkennt, dass sich in der Arbeit harte Kanten verstecken, die zwar auf den ersten Blick nicht sichtbar sind, aber auf den zweiten Blick zu der Sorte Störer gehören, die man fortan gar nicht mehr aus dem Kopf bekommt … Ist mir schon echt häufig passiert. :)

Darf ich diese Texturen privat und auch kommerziell in meinen Arbeiten verwenden?

Also ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich gehöre zu der Sorte Mensch, die es leicht und unkompliziert haben möchte. Dafür bin ich auch gerne bereit, Geld in die Hand zu nehmen, denn wie sieht denn häufig die Alternative dazu aus … Generell leiste ich in meinem Leben lieber (m)einen Beitrag und damit ist die Sache abgegolten und vom Tisch. Deswegen jetzt die gute Nachricht: Der Erwerb solcher Pakete von uns sieht vor, dass eine private und auch kommerzielle Nutzung erlaubt ist. Bitte beachtet hier jedoch jeweils die Produktbeschreibungen und auch die beiliegende Readme-Datei, um detaillierte Informationen zu den Bestimmungen zu erhalten. Generell kann ich jedoch sagen, die Texturen, Presets, Design-Vorlagen, hochaufgelösten Bilder und Pinsel aus unserem Online-Shop und von TutKit.com sind nutzbar, ohne dass ihr Angst haben müsst, dass ihr Urheberrechte verletzt. Wir denken, dass eine einfache Handhabung der beste Weg der Handhabung ist. Also freut euch darauf. Und jetzt weiter zum nächsten Bild und Effekt.

Konträr: Feuer und Schnee

So manch einer wird sich beim Anblick unserer folgenden Schönheit ekeln. Mir hingegen gefällt der Shot. Mein Chef, Matthias Petri sagte zum Beispiel, als er das Bild zum ersten Mal sah, die zweifelhafte Schönheit erinnere ihn an die Rolle von Marla Singer, die im Film „Fight Club“ aus dem Jahr 1999 eine psychotische Simulantin spielt – da hat er nicht ganz unrecht …

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Jedenfalls enthält auch Devil Breeze so einige kleine texturierte Raffinessen. Zum einen hätten wir natürlich den Schnee im oberen Teil des Bildes. Diese konträre Darstellung ist Teil des Bildstils. Wenn also auch ihr Schneegestöber zwingend benötigt, dann schaut euch auf jeden Fall mal das hochaufgelöste Texturenpaket zum Thema Schnee an. Die Vorgehensweise mit den JPG-Dateien ist identisch mit der der Wasser-Splashes.

Wer genau hinblickt, erkennt auch schattierte Texturen, die dem hochaufgelösten Grunge-Paket entnommen sind und einfach mithilfe des Mischmodus Ineinanderkopieren und mit einer reduzierten Deckkraft von 80 % daherkommen. Das verbaute Prachtexemplar könnt ihr ihm Bild oben sehen. Ebenso sind im düsteren Artwork auch überstrahlende rote Light-Leaks verborgen, die im Rohzustand aussehen wie … Ja, wie sieht das denn überhaupt aus? Egal. Dieses JPG stammt jedenfalls aus dem großen Schwergewicht mit über 1.000 Light-Leaks, Bokehs und Lens-Flares. Hier muss man sich definitiv vorher entscheiden, wonach man Ausschau halten möchte, denn ohne Kompass und Ziel verläuft man sich schnell im Pixel-Flare-Dschungel.

Skurril geht es weiter

Wo wir gerade schon so frischen Aufwind durch Marla erhalten haben, möchte ich euch im nächsten Beispiel zeigen, wie sich Blutlachen, Blutspritzer und Blutflecken perfekt in euer düsteres Artwork integrieren lassen.

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Ich habe mich vom Mystery-Flair und den Crime-Szenen hinreißen lassen und das Texturpaket für Blut & Blutspritzer einmal ausprobiert. Auch hier reicht es, die JPG-Dateien (50 Stück an der Zahl) einfach auf das Design zu ziehen und den Mischmodus zu ändern. Negativ multiplizieren erzielt hier leider weniger gute Ergebnisse, aber zum Glück hält Photoshop noch einige andere Modi bereit, und so lässt sich mit Weiches Licht oder Ineinanderkopieren ein wahrhaft skurriles Ergebnis erzielen. Hier entdeckt ihr das Bild mit dem Titel „Die Witwe“, in dem sich diese Texturen am Boden zwischen den Stiefeln unserer Lady und an der hinteren Wand in Nähe des Basketballkorbs ausbreiten.

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Das war es mit unserem kleinen Ausflug. Ich hoffe, die vorgestellten Schnelllösungen, um Fotos dem Standard zu entreißen, haben euch gefallen und ihr probiert es selbst einmal aus.

Stefan Riedl

Stefan Riedl Grafik-Designer aus Augsburg

Designliebhaber

Stefan Riedl